Klein aber fein – gut besucht muss nicht besser sein

Aufgeregt, nervös und ein klein wenig ängstlich – so habe ich mich am Morgen des 19. Novembers gefühlt: Der Tag, an dem meine Gruppe mit dem Thema Shitstorm ihr erstes Barcamp halten würde. Die Tage davor waren geprägt von verrücktmachendem Zweifel, Stress und der stetigen Besorgnis, nicht gut genug vorbereitet zu sein. Immer dieser verfluchte Perfektionismus, der dazu geführt hat, dass ich meinen Gruppenkollegen mit meiner Ungeduld vermutlich fürchterlich auf den Geist ging. (Tut mir echt leid, Leute.)

Ich war für die Fotografie zuständig und daher war meine Aufgabe relativ simpel – ich musste weder Angst vor einer (Pitch-)Präsentation haben, noch mich davor fürchten, die Diskussions-Moderation zu versemmeln -, doch das hinderte mich natürlich nicht daran, vor Nervosität fast komplett am Rad zu drehen. Wir saßen immerhin alle im selben Boot und wenn sich unsere Session als Flop herausstellen würde, wäre es uns allen anzukreiden. Man hat uns zwar gesagt, dass es nicht so schlimm wäre, wenn eine Session mal nicht so gut laufen sollte, aber eine schlechte Session möchte selbstverständlich niemand. Vor allem da die Sessions des ersten Barcamps alle so beeindruckend gewesen waren.

Aus offensichtlichen Gründen, wie mehr Vorbereitungszeit und dass man mal sieht, wie das alles überhaupt funktioniert, war es gut, erst beim zweiten Barcamp dran zu sein. Doch das bedeutete leider auch eine höhere Erwartungshaltung und größerer Druck. Wie würden wir damit zurechtkommen? Rückblickend kann ich sagen, dass es okay war. Es war verbesserungswürdig und sicherlich auch nicht die beste Session des Tages, aber ich war zufrieden. Es waren nicht viele da, vielleicht zehn oder elf, was mir zuerst ein wenig Sorgen bereitet hatte, denn was ist, wenn bei wenigen Leuten keine gute Diskussion zustande kommt? Wenigere Köpfe bedeuten wenigere Meinungen, wenigere Erfahrungen und weniger Diskussionsstoff, richtig?

Nope.

Ich hab das Gefühl, dass es absolut von Vorteil ist, wenn nicht etwa 30 Leute vor dir sitzen, sondern nur eine handvoll. So entsteht kein angespannter Vortrag (was nicht bedeuten soll, dass andere Sessions angespannt oder langweilig waren), sondern eine kleine, gemütliche Runde, in jeder, der will, zu Wort kommen kann. Die Präsentatoren und Moderatoren stehen nicht vor einer Masse und sind dementsprechend weniger  aufgeregt und mehrere Menschen trauen sich, den Mund aufzumachen. So diskutieren nicht nur ein bis zwei Leute untereinander, sondern es entsteht eine Gesprächsrunde mit mehreren verschiedenen Blickwinkeln auf das Thema und unterschiedlichen Erfahrungen.

Wir waren nun jedoch nicht die einzige Gruppe mit einem interessanten Thema. Zur Auswahl standen diesmal die Themen Netiquette, Shitstorm (meiner bescheidenen Meinung nach das beste Thema), Online-Reputation, Pseudonyme, Privatsphäre und Blogger-Ethos.
Es wirkte so, als hätten sich diesmal alle abgesprochen, denn die Themen wurden im Pitch nicht mehr nur mit einer Mini-Präsi vorgestellt oder mit einer kurzen Ansprache angeworben, denn plötzlich offenbarten alle ihr zuvor verborgenes schauspielerisches Talent. Vielleicht könnte man am Mediencampus ja eine Amateur-Schauspiel-Gruppe gründen? Nur mal so eine kleine Idee am Rande. Ich persönlich könnte da nicht mitmachen, meine nicht vorhandene schauspielerische Begabung durfte ich schon in Multimedia Technologie unter Beweis stellen, wo ich nur den Part der Klappe übernommen habe und es dennoch nicht geschafft habe, nicht zu lachen.

Die Tradition der Bestechung von vorletzter Woche wurde weitergeführt, von einen mehr, von anderen weniger. So gab es diesmal keinen Sektempfang oder etwas zu gewinnen, dafür lockte eine Gruppe beispielsweise mit vier oder fünf verschiedenen,“mit Liebe ausgesuchten“ Kuchen, die anderen mit Buttons und wir, wie ich zu meiner (bzw. unserer) Schande gestehen muss, mit selbstgebackenen Brownies. Das hatte zur Folge, dass der Content oder die Themen bei der Session-Wahl von manchen außer Acht gelassen wurde und sie stattdessen die Gruppe besuchten, die das meiste oder das beste zu bieten hatten. Wir hatten uns vorher sogar überlegt, ob wir Geld zusammenlegen wollen, um im Internet ein Kopfkissen in Form des Poop-Emojis zu bestellen, um es dann bei unserer Session zu verlosen. Das war unter anderem daran gescheitert, dass wir nicht wussten wofür wir dieses Ding verlosen sollten. Wer sollte „Poop“ am Ende verdient gewinnen? Der, der die besten Beiträge bringt? Das hätten wir unmöglich so schnell entscheiden können. Sollten wir einfach Lose unter die Stühle kleben, von denen einer der glückliche Gewinner sein sollte? Der beste Tweet, der beste Instagram Post? Aus Gruppe Shitstorm wurde Gruppe Brainstorm.

Letztendlich haben wir eingesehen, wie vollkommen abwegig diese Idee überhaupt war. Wieso sollten wir uns solche Umstände machen und einfach wahllos irgendwas verschenken, nur um Kommilitonen in unsere Session zu locken? Wofür? Welchen Sinn hat das? Keinen. Kuchen und Gebäck kann man gerne anbieten, eben als kleine Erfrischung nebenher, aber man sollte das auf keinen Fall als Grund benutzen, warum man in diese bestimmte Session kommen sollte. Sowas ist – sorry – einfach billig. (Ja, auch wir haben den Fehler gemacht. Es geht hier auch um uns. Ich darf das sagen!)

Wir sind Studenten und keine konkurrierenden Unternehmen, die versuchen, sich gegenseitig aus dem Ring zu treten. Hier geht es immerhin um das miteinander und voneinander Lernen.

Ich will aber auch nicht zu viel meckern, weil ich glaube, dass es gerade so rüberkommt, als hätte mir das BarCamp Nr. 2 nicht so sehr gefallen. Das ist absolut nicht der Fall, ich fand es richtig super. Und ich kann kaum erwarten, wie das BarCamp Nr. 3 wird.

Bis denne, Henne.

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